Kräfte auf Nanostrukturen im Elektrolyten:
wissenschaftlicher Schlussbericht.
Prof.
Dr. sc. nat./ETH Zürich Othmar Marti, Dr. S. HiId, Abteilung
Experimentelle Physik, Universität Ulm
Thema
Kraftwechselwirkung in Elektrolyten zwischen
potentialkontrollierten Oberflächen und
Rastersondenmikroskopspitzen: Fundamentale Aspekte und Anwendung
auf die Nanostrukturierung
In diesem Projekt wurde die Kraftwechselwirkung
zwischen der Rasterkraftmikroskopspitze und der Probe sowohl
experimentell wie auch theoretisch untersucht. Ziel des Projektes war
es, die Abbildungseigenschaften eines Rasterkraftmikroskopes so
zu verstehen, dass eine quantitative Datenanalyse möglich
wurde.
Im nun abgeschlossenen Projekt wurde diese
Kraftwechselwirkung einerseits theoretisch berechnet und
andererseits experimentell bestimmt. Diese Kombination ermöglichte
es einerseits, Verfahren zur Ablagerung von Nanoclustern mit einem
AFM zu finden und andererseits Wege aufzuzeigen, wie auch mit
Kraft-Distanzmessungen bei hohen Geschwindigkeiten
aussagekräftige Daten über die Wechselwirkung zu erhalten
sind.
Im vorliegenden Bericht werden zuerst statische
Rechnungen zur Kraftwechselwirkung im Elektrolyten gezeigt. Es
folgt ein Abschnitt über den Einfluss der Kapilarkondensation.
Mit Rechnungen zum dynamischen Verhalten der
Kraftwechselwirkung wird der Vergleich mit Experimenten
durchgeführt. Im letzten Kapitel werden Verfahren zur
elektrochemischen Abscheidung von Cu-Nanostrukturen auf Gold
diskutiert.
Statische Rechnungen
Die in der ersten Antragsperiode begonnenen statischen Rechnungen
wurden weitergeführt. Die Wechselwirkung zwischen der
Kraftmikroskopspitze und der Probe wurde mit einer
Lennard-Jones-Kraft und zusätzlich einer EDL (Electrical Double
Layer)-Kraft modelliert.
Die EDL-Kraft wurde in der Derjaguin-Approximation
eingesetzt. Dabei wird die freie Energie um einen geometrieabhängigen
Faktor korrigiert. Nach Thomas Stifter1
ist die Kraft auf die Spitze durch eine ebene Probe durch

Uplane(d) ist dabei die freie Energie der ebenen
Probe. D ist der Abstand zwischen der Spitze und der Probe und c ist
die Krümmung der Spitze. In diesem Falle vereinfacht sich die
Rechnung. Die Kraft pro Einheitsfläche wird dann

dabei ist y(z) = z e y(z)/kBT.
Abbildung 1 zeigt den Einfluss des Oberflächenpotentials. Die
Debye-Länge ist k-1=
9.8 nm an der Spitze. Dabei wird das Potential an der Spitze von
0.1 V nach -0.5 V variiert. Das erste Diagramm in der Abbildung 1
zeigt die EDL-Kraftals funktion der Distanz mit dem
Oberflächenpotential als Parameter.Das zweite Diagramm
zeigt die Adhäsionskraft wenn die Spitze über eine
Stufe hinwegscannt Das dritte Diagramm schliesslich die Kraft 8
nm von der Oberfläche. Der Sprung in der Kraft bei der grünen
Kurve ist ein Artefakt der Derjaguin-Approximation.
Abbildung 2 zeigt den Einfluss der EDL-Kräfte, wenn auf einer
eklektrode das Potential und auf der zweiten Elektrode die Ladung
konstant gehalten wird. Die Parameter für die
Lennard-Jones-kräfte sowie die geometrie der Spitze sind
gleich wie in der Abbildung 1. Das oberste Diagramm in der Abbildung 2
zeigt, dass positive Ladungen oder auch eine ladungslose Spitze
abstossende EDL-Kräfte verursachen. Aus den unteren beiden
Diagrammen ist ersichtlich, dass bei konstanter ladung der einfluss
der EDL-Kräfte auf die abbildung geringer ist.


Die obigen theoretischen Überlegungen zeigen, dass man mit
einer Adhäsionsmessung sowie einer Kraftmessung in verschiedenen
vorbestimmten Abständen die Grösse der Komponenten
der Wechselwirkungskraft bestimmen kann. Notwendig ist hierzu, dass
die Empfindlichkeit der Kraftmessung und die Bewegung der Spitze
senkrecht zur Probe kalibriert sind.

Meniskuskräfte
Da auch bei der Abbildung unter Umgebungsbedingungen sich die
Spitze immer in einer wässerigen Lösung mit unbekanntem
Elektrolytanteil sich befindet, wurde der im Rahmen dieses Projektes
erarbeitete Formalismus zur Untersuchung von Kapilarkräften2
verwendet. Zur Berechnung wurde eine parabelförmige Spitze, eine
ebene Probe und eine Flüssigkeitsoberfläche, die durch
Krümmungsradien charakterisiert ist, angenommen (Siehe auch
Refs 1 und 2). Die Wechselwirkung der Flüssigkeit wurde über
die Kontaktwinkel q1 an
der Probe und q2 an der
Spitze spezifiziert. Zusätzlich wurde der Dampfdruck des Wassers
p und der Sättigungsdruck p0 verwendet.
Abbildung 3 zeigt den Einfluss der Luftfeuchte. Schwarz sind zwei
van-der-Waals-kräfte für unterschiedliche
Hamakerkonstanten eingezeichnet. Mit der grösseren Kraft ist
dann eine lennard-Jones-Kraft konstruiert worden. Diese wird mit zwei
Kapilarkraftkurven für unterschiedliche relative Luftfeuchten
p/p0 verglichen. Für grössere abstände
wird die Wechselwirkungskraft durch Kapilarkräfte dominiert.
Abbildung 4 zeigt einen Vergleich der Kapilarkräfte mit den
Lennard-Jones-Kräften. Die Kapilarkräfte sind von der
gleichen Grössenordnung wie die Lennard-Jones-Kräfte. Im
vergleich mit gemessenen Kräften ist ersichtlich, dass die
Kapilarkräfte bedeutend, wenn nicht dominierend sein können.
Bei einer Abbildung in einer elektrochemischen Umgebung können
bei ungeeignet gewählten Ladungs-
oder Potentialbedingungen gase entstehen. Es ist zu erwarten, dass
dann das Inverse der Kapilarkräfte auftritt und die
Gesamtkraft massgeblich beeinflusst.


Dynamische Rechnungen
Um eine Charakterisierung mit grösserer
abbildungsgeschwindigkeit durchführen zu können, wurde die
Abbildung im Pulsed Force Mode3
in einer elektrochemischen Umgebung untersucht. Die
Kraftmikroskopspitze mit dem Sensor-Balken wurde als
Masse-Feder-System modelliert, wie auch die elastischen Eigenschaften
der Probe. Für die Wechselwirkung wurde das oben erwähnte
Modell verwendet.

Die Bewegungsgleichung der Kraftmikroskopspitze wurde mit einer
Runge-Kutta-Integration gelöst.
Von besonderem Interesse an einer
Kraft-Distanz-Kurve oder einer dynamisch gemessenen PFM
(Pulsed-Force-Mode-Kurve) sind die Kräfte und Positionen, bei
denen bei der Annäherung das System Spitze-Probe instabil wird
und die Spitze unkontrolliert an die Probe schnappt, sowie die
Punkte, an denen die Spitze sich von der Probe löst. Je grösser
die Federkonstante ist, desto gewichtiger wird der Einfluss der
oszillatorischen Güte des Systems. Abbildung 5 zeigt die
detailierten Kurvenformen. Die parameter sind in der Bildunterschrift
angegeben. Die Anschnappkraft ist hier -6.6 nN, die Loslösekraft
(Adhäsionskraft) -6.1 nN. Die auf den ersten Blick normal
aussehende Kurve beinhaltet eine reiche Substruktur. Entgegen dem
ersten Eindruck wird nicht direkt die Kraft-Distanzkurve abgefahren.
Die Kraftkurve hat im Vergleich zur Anregung eine Phasenverschiebung,
ein Effekt der typisch für ein schwingungsfähiges System
ist, das nicht auf seiner Resonanzfreqenz betrieben wird. Dieser
Effekt reduziert die Anschnappkraft um 0.009 nN und erhöht die
Loslösekraft um 0.012 nN.
Während die Werte der Adhäsionskraft damit
erklärt sind, ist die Anschnappkraft um 0.5 nN falsch. Die
Ursache liegt in der Resonanz des Balkens, wie aus der unteren Kurve
ersichtlich. Durch die Anfangsbedingung der Schwingung des
Spitze-Probe-Systems tritt diese Überhöhung als Konsequenz
des Ausschwingens auf.

Die Abbildung 6 zeigt zwei PFM-Kurven für ein System mit
hoher Piezofrequenz und niedriger Güte des Balkens, ein Effekt,
wie er bei der abbildung in einer elektrochemischen Umgebung
auftritt. Die Kurven links und rechts unterscheiden sich im mittleren
Abstand des Balkens von der Probe. An die PFM-Kurve ausserhalb des
Kontaktbereiches wurde eine Sinusschwingung angefittet. Die mittlere
Zeile zeigt Deitails der Anpassung.. Diese Sinuskurve ist in der
unteren Zeile subtrahiert: die Kurven sehen nun so aus, wie eine
PFM-Kurve ohne den Einfluss von Oszillatoren im System aussehen
müsste. Wenn man nach diesem Rezept PFM-Kurven analysiert,
bekommt man genauere werte für die Adhäsionskraft. Es zeigt
sich aber, dass statistische Schwankungen der Kontaktzeit die
mögliche Genauigkeit begrenzen.

Die EDL-Kräfte modifizieren die PFM-Kurven deutlich. Abbildung 7
zeigt drei Wechselwirkungskurven, eine ohne die
EDL-Wechselwirkung und zwei mit. Im Falle einer arttraktiven
EDL-Wechselwirkung ist die PFM-Kurve und damit auch die
Kraft-Distanzkurve etwa von der gleichen Form. Die repulsive
EDL-Wechselwirkung ändert jedoch das Bild. Da die
EDL-Wechselwirkung langreichweitig ist wird bei einer Annäherung
die Spitze zuerst abgestossen. Kurz vor dem Kontakt dominiert
der attraktive Teil der Lennard-Jones-Wechselwirkung. Abhängig
von den elektrochemischen Potentialverhältnissen kann somit die
Kraftwechselwirkung in weiten Grenzen gesteuert werden.


Abbildung 8 zeigt oben eine gemessene Pulsed Force Mode-Kurve
zusammen mit zwei simulierten Kurven (oben und unten). Die untere
Kurve in der Abbildung wurde mit einem Kraftmikroskop-Sensor mit
hoher oszillatorischer Güte gemessen. Das erwartete Verhalten
mit Anschnappen, Indentation und Loslösekraft, gefolgt von
einem Ausschwingen ist sichtbar. Oben ist eine Gemessene Kurve mit
einer Güte von Q=0.21, ein typischer Wert für
Kraftmikroskopsensoren in wässeriger Umgebung. Die Simulation
erklärt alle wesentlichen Bestandteile dieser Kurve.
Abbildungen 9 und 10 zeigen auf der linken Seite eine in
elektrochemischer Umgebung gemessene Kurve und rechts die
dazugehörige Simulation. Die linke Kurve zeigt die gleiche
Verzerrung wie die Kurven in der Abbildung 8. Wenn die Daten für
die Kraft gegen die Piezobewegung , also gegen den Vorgabewert für
die Position aufgetragen werden, ergeben sich die Bilder auf der
zweiten Reihe von Abbildung 9. Bei beiden Bildern ist die von der
Phasenverschiebung herrührende Ellipse eingezeichnet. In Abbildung 10
oben ist diese Ellipse von der ganzen Kurve subtrahiert. Die untere
Reihe zeigt die korrigierten Kraftdaten der obern Reihe, aber
aufgetragen gegen die richte Bewegung der Spitze und nicht, wie oben,
gegen die Position der Aufhängung der Kraftmessfeder. Es ist
auch denkbar, wie in den Einsätzen gezeigt, die Korrektur nur
für den Teil der Bewegung zu machern, bei dem die Spitze nicht
im Kontakt mit der Probe ist.Es ist noch nicht entschieden, welche
der beiden Methoden die bessere Korrektur der Daten liefert.

Abbildung 11 schliesslich zeigt, dass mit dem Annäherungsteil
der Kraft-Distanzkurve oder der PFM-Kurve der Einfluss der
elektrischen Doppelschichten sehr schön gemessen werden kann.
Die gemessenen Daten (punktierte blaue Linien) können mit dem
EDL-Modell in der Derjaguin-Approximation sehr gut angepasst werden.
Zum Vergleich is tin der Abbildung auch die Distanzabhängigkeit
der Lennard-Jones-Kraft gezeigt.
Elektrochemische Versuche der Nanostrukturierung im AFM
Zur elektrochemischen Nanostrukturierung mit Kupfer wurden
verschiedene Methoden verwendet4.
Bei der Kontaktmethode wird folgendermassen vorgegangen:
Die Spitze wird im Abstand mehrerer Mikrometer über der
Oberfläche der Probe positioniert. An der Spitze wird kein
Potential vorgegeben. Das Probenpotential UPR ist derart
gewählt, daß es zu keiner Bulkablagerung der Kupferionen
auf der Probe kommt. Ui symbolisiert hier jenes Potential
bei welchem die Bulkabscheidung des Kupfers einsetzt.
Im zweiten Schritt kommt es durch Anlegen eines
Spitzenpotentials Usp < Ui zur Ablagerung
von Kupferatomen auf dem goldbeschichtetem Cantilever. Optimal wäre
die alleinige Bedeckung der Spitze mit Kupfer und keine Anlagerungen
auf dem Cantilever. Durch das gewählte Probenpotential ist eine
Bulkablagerung des Kupfers auf der Probe weiterhin unmöglich.
Die Spitze wird in Kontakt mit der Probenoberfläche
gebracht, der Stromkreis der Spitze und des Bipotentiostaten wird
unterbrochen. Durch den Kontakt bildet sich ciii Hals aus
Kupferatomen zwischen Spitze und Probe aus.
Langsames Zurückziehen der Spitze verengt diesen Hals.
Es kommt zum Abriß, ein Teil der Kupferatome bleibt anf der
Probe zurück. Je nach Größe der Spitzenbedeckung mit
Knpfer variiert die Größe der Kupferablagerung auf der
Probe. Der Mechanismus des Ubertrags ist noch nicht gänzlich
verstan- den, im Rastertunnelmikroskop ist der Einfluß des
Tunnelstroms ungeklärt.
Durch die erfolgte Ablagerung von Kupferatomen auf der Spitze
ändert sich die Spitzengeometrie und Spitzengröße.
Die Eignung als Meßsonde schwindet in jenem Maß, indem
die Spitze mit Kupfer beladen wird und in ihrem Radius wächst.
Um die Spitze wiederherzustellen ist die komplette Ablösung des
auf der Spitze verbliebenen Kupfers nötig. Dies gelingt durch
ein kurzfristiges Ablösepotential an der Spitze. Dieser fünfte
Schritt ist nicht im Diagramm dargestellt.

Die Abbildung 12 zeigt schematisch, wie mit der Kontaktmethode
strukturiert wurde. Die Pulsmethode hat sich jedoch als weitaus
besser zur elektrochemischen Nanostrukturierung im AFM erwiesen. Sie
wurde wie folgt angewendet:
Die Spitze wird im Abstand mehrerer Mikrometer über der
Oberfläche der Probe positioniert. An der Spitze wird kein
Potential vorgegeben. Das Probenpoteritial UPR ist derart
gewählt, daß es zu keinen Ablagerungen der Kup ferionen
auf der Probe kommt.
Im zweiten Schritt kommt es durch Anlegen eines
Spitzenpotentials Usp <Ui zur Ablagerung
von Kupferatomen auf dem goldbeschichtetem Cantilever. Optimal wäre
wieder die alleinige Bedeckung der Spitze mit Kupfer und keine
Anlagerungen auf dem Cantilever. Die Bulkablagerung auf der Probe
ist auch in diesem Fall durch Vorgabe eines geeigneten
Probenpotentials inhibiert.
Ein Abscheidepuls auf die Spitze, in Form und Dauer frei
wählbar, erhöht nun die lokale Kupferionenkonzentration in
der Umgebung der Spitze. Nähert man die Spitze an die Probe an,
so verringert die erhöhte Kupferionenkonzentration das lokale
Abscheidepotential auf der Probe. Eine lokale Clusterbildung setzt
ein.
Auch hier ändert sich die Spitzengeometrie und
Spitzengröße durch die Abscheidung von Kupfer auf der
Spitze. Das Spitzenpotential sollte deshalb im Anschluß an die
Pulsablagerung kurzfristig größer als das
Abscheidepotential U~ gewählt werden. Dies führt aber
erneut zu einem Abscheidepuls, derdie durch den ersten Puls
erzeugten Cluster in Form und Größe beeinflußt.
Deshalb wurde auf die Entfernung des verbliebenen Kupfers auf der
Spitze verzichtet und eine Verschlechterung der Abbildungsqualität
in Kauf genommen.

Die einzelnen Teilschritte dieses Prozesses sind in der Abbildung 13
abgebildet.

Ein Beispiel einer erfolgreichen Nanostrukturierung ist in Abbildung 14
gezeigt. Die Messung und Abscheidung erfolgte in einer 0,05 M H2S04+
1 mM CuSO4 Lösung. Der Cluster wurde mittels der
Pulsmethode erzeugt. Tabelle 1 zeigt exemplarisch die verwendeten
Abscheidepotentiale und Pulsdauern.
In Abbildung 14 sind Topographie, Anschnappeak und eine
dreidimensionale Darstellung des erzeugten Clusters gezeigt. Die
Clusterhöhe beträgt 111 nm, gemessen von der
Facettenoberfläche. Die Clusterausdehnung beträgt an der
Basis 330 nm auf 188 nm, auf halber Höhe noch etwa 187 nm auf 78
nm. Das Clusterwachstum scheint vorwiegend in die Höhe zu
erfolgen. Der abgeschiedene Cluster zeigt rechteckige Grundform, wie
es bei Verwendung einer pyramidenförmigen Siliziumnitridspitze
zu erwarten ist. Seine Ausdehnung liegt in der Größenordnung
des Spitzendurchmessers. Dies kann ein Effekt der Spitzengeometrie
sein, es kann aber auch aus der speziellen Kombination von
Abscheidepuls und Abscheidedauer herrühren5,6,7.
Der Cluster erscheint wie erwartet im Zentrum desBildes am
Aufsetzpunkt der Spitze. Der Bildmittelpunkt liegt auf einer Facette,
die Ablagerung erfolgte nicht an einer Facettenkante. Dies ist ein
weiterer deutlicher Hinweis, daß der Cluster nicht durch
Bulkablagerung entstanden ist, denn dort st die Ablagerung an
Defekten bevorzugt. Dritter Hinweis ist das angelegte Probenpotential
welches die Bulkablagerung inhibiert. Kleinere Clusterablagerungen
sind an den Facettenkanten sichtbar. Eine Optimierung der Methode
hinsichtlich Abscheidepulsgröße, Dauer und Spitzenbeladung
ermöglicht die Vermeidung dieser unerwünschten
Clusterartefakte. Die Gesamtbildgröße beträgt 5 pm,
die Strukturierung erfolgte also sehr lokalisiert. Die
dreidimensionale Abbildung zeigt eindrucksvoll die rechteckige
Grundform des Clusters und ein Verhältnis der Höhe zur
Basisausdehnung von 1:3. Warum der Cluster ab einer Höhe von
etwa 70 nm unregelmäßig wächst ist nicht erklärbar.
Das Bild des Anschnappeaks zeigt vorwiegend Topographieartefakte. Der
Materialkontrast zwischen Kupfercluster und Goldschicht ist in dieser
Messung nicht ersichtlich.

Mit Abbildung 14 wurde gezeigt, daß einzelne Cluster mittels
eines Rasterkraftmikroskops an vorgegebenen Probenorten erzeugt
werden können. Das Rasterkraftmikroskop ist analog dem
Rastertunnelmikroskop zur Herstellung von strukturierten
Clusterablagerungen geeignet. Einkerbungen und Gräben können
ebenfalls erzeugt werden. Damit eröffnet sich mit dem
Rasterkraftmikroskop und einer elektrochemischen Zelle ein weites
Spektrum an Strukturierungsmöglichkeiten auf vielfältigen
Skalen. Nachteil dieser Methoden gegenüber lithographischen
Verfahren oder Mikrokontaktmethoden ist ihre verhältnismäßig
langsame Strukturierungsgeschwindigkeit und die relativ kleine
strukturierte Fläche. Vorteil ist die Möglichkeit an jedem
Ort der Probe zu stukturieren, den die Cantileverspitze erreichen
kann. Damit ist die Strukturierung unebener rauher Flächen
möglich. Die reversible Auflösung der Cluster ermöglicht
eine Aufhebung der Strukturierung. Dies ist der entscheidenste
Vorteil dieser Strukturierungsmethodik.

Zum Abschluß werden in Abbildung 15 exemplarisch weitere
Messungen erzeugter Cluster vorgeführt. Das mittlere
Topographiebild und die zugehörige dreidimensionale Darstellung
links zeigen den ersten Abscheidungsversuch in einer 1 mM CuSO4
Lösung. Die Potentialparameter wurden wie in der Tabelle 6.2
gewählt. Die Ausdehnung der erzeugten Metallcluster ist in etwa
gleich, die Höhe ist in der Kupfersulfatlösung mit 40 nm um
1/3 kleiner.
Die obere Abbildung stellt eine Ablagerung dar, bei der sowohl der
Abscheidepuls, die Pulsdauer wie auch die Spitzenbeladung und
Beladungsdauer im Vergleich zu den vorangegangenen Messungen
verdoppelt wurden. Es zeigt sich ein klar erkennbarer zentraler
Cluster, aber auch die fast bulkartige Bedeckung der restlichen
Probenoberfläche. Die zusätzlich sichtbaren Cluster sind
kleiner, ihr Höhen zu Ausdehnungsverhältnis ist wesentlich
geringer. Das Wachstum des zentralen Clusters scheint schneller, und
vorzugsweise in Richtung der Spitze zu erfolgen, während die
restlichen Cluster eher flächiges Wachstum bevorzugen.
Die unterste dreidimensionale Messung stellt den bisherigen Stand
der Strukturierungsmöglichkeiten dar, und zeigt den bisher
kleinsten erzeugten Metallcluster.
Er besitzt eine Ausdehnung von 100 nm und eine Höhe von 40 nrn.
Die reale Clusterausdehnung ist sicherlich etwas kleiner, da das
Topographiebild die Faltung der Spitzengeometrie mit der wahren
Probenform darstellt, und die Spitze durch die Beladung sicherlich
einen Radius größer 50 nm besitzt.
Eine Verringerung der Clusterausdehnung ist über die
Optimierung der Potentialparameter und kleinere Spitzen möglich.
Ein alternativer Ansatz, die Größe der Cluster
nachträglich zu verringern ist das kurzzeitige Anlegen eines
Probenpotentials im Bereich der Auflösung oder die teilweise
Auflösung des Clusters mittels Spitzeneinfluß.
In einem letzten Schritt wurde
versucht, die Fähigkeiten der Materialkontrastabbildung zu
untersuchen. Bisher wurden einzig
die materialspezifischen Eigenschaften von bulkabgelagerten Cluster
mit den Goldsubstraten verglichen.

Abbildung 16
zeigt die Topographie und das Bild des Anschnappeaks eines durch
Spitzenpulsmethode abgeschiedenen Clusters. die zur Bestimmung
herangezogenen lokalen Kraftwerte. Die Messung erfolgte in einer 1 mM
CuSO4 + 0,05 M H2S04
Lösung, unmittelbar vor und nach der Abscheidung. Der
Vergleich der Kraftwerte ist nur durch das Zugrundelegen einer
identischen Spitze vor und nach Ablagerung möglich. Diese
Bedingung ist durch die Beladung der Spitze mit Kupfer nicht erfüllt.
Zur Auswertung werden deshalb einzig die Kraftwerte des abschließend
aufgenommenen Anschnappeakbildes herangezogen. Beide Messungen zeigen
eine Differenz von üiber 3 nN. Dies resultiert
einerseits aus der Änderung der Spitzenform, andererseits durch
den Einfluss des geänderten Spitzen- und Probenpotentials. Die
attraktive Wechselwirkung der Spitze und Probe wurde vor der
Spitzenablagerung, im linken unteren Bild auf einer Facette zu 0,3 aN
bestimmt. Im Bild des Anschnappeaks ist ein Materialkontrast
zwischen Kupfercluster und Goldfacetten sichtbar. Der zentrale
Spitzenpulscluster zeichnet sich im Anschnappeak in keiner Weise von
den anderen abgelagerten Clustern aus, besticht aber im
Topographiebild durch seine größere Ausdehnung. Um
Topographieeinflüsse zu minimieren wurden nur flache
Teilbereiche der Probe in die Auswertung des Anschnappeaks
einbezogen. Im Bild erkennbar ist eine Zone unterhalb des
Spitzencomputer welche mit -1,3 nN deutlich differierende Kraftwerte
zu den Kupferclustern, wie auch zum Gold aufweist. Ein Aufsammeln von
Material durch die Spitze kommt als Erklärung nicht in Frage.
Die Fläche sollte sich in diesem Fall zeilenweise auf den
Bildbereich unterhalb des Clusters ausdehnen. Bei Verlust des
kompletten Materials sollte danach wieder der ursprüngliche
Anschnappeakwert messbar sein. Als Erklärung bleibt nur eine
lokale Änderung der chemischen Struktur der Oberfläche
oder des Elektrolyten. Da im Topographiebild keine Erhöhung
erkennbar ist, muss es sich entweder um Anlagerung von Monolagen auf
der Goldfacette handeln oder es kommt zur Adsorption oder Ausrichtung
von Lösungsmittelmolekülen oder Ionen an der
Facettenfläche. Inwiefern damit die lokale Begrenzung und der
Entstehungsort des Bildkontrastes erklärbar ist, bleibt
abzuwarten. Betrachtet man das aufgetragene Histogramm, erzeugt aus
der weiß umrandeten Ebene so sind zumindest die zwei
Bereiche der Goldfacette trennbar. Der lokale Maximalwert von 3,8 aN
entspricht in der Größenordnung dem Wert des
Goldsubstrats an Stelle 2), die Erniedrigung des Kraftwertes auf 1,3
aN entspricht den hellen Stellen im Anschnappeakbild.
Sowohl mittels der Adhäsion wie auch mittels des
Anschnappeaks ist also eine rein materialspeziflsche Unterscheidung
von Gold und Kupfer möglich. Der Anschnappeak bietet
eventuell zusätzlich die Möglichkeit, den zentralen
Spitzenpulscluster durch eine lokale Änderung der Umgebung von
anderen Clustern zu unterscheiden.

Zusammenfassung
Im nun abgeschlossenen Projekt Kräfte auf
Nanostrukturen im Elektrolyten konnten experimentelle und
theoretische Fortschritte auf folgenden gebieten erreicht werden: