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Unterabschnitte
Ein an einen isotropen Körper angelegtes Magnetfeld bricht die Symmetrie dieses Körpers. Es kann eine durch das
Magnetfeld induzierte Doppelbrechung beobachtet werden. Neben dem Faraday-Effekt, der proportional zu
ist
kennt man auch den Effekt zweiter Ordnung, den COTTON-MOUTON-Effekt, kurz CME. Der CME wird zur Messung
von magnetischen und elektrischen Eigenschaften von Molekülen in durchsichtigen Substanzen, aber auch zur
Plasmadiagnose in Tokamaks verwendet. Bei symmetrischer Molekülen interessiert insbesondere die
magnetfeldinduzierte Suszeptibilitätsanisotropie. Bestimmt man bei verschiedenen Teilchendichten die molaren
Cotton-Mouton-Konstanten (CM-Konstanten), so können Aufschlüsse über die Mikrostruktur von Flüssigkeiten oder
flüssigkeitsähnlichen Zuständen erhalten werden.
Der Versuch Magnetooptik soll dazu beitragen, das Verständnis der Lichtausbreitung gemäß der elektromagnetischen
Lichttheorie zu vertiefen. Insbesondere soll auf dem Gebiet der molekularen Optik die magnetisch induzierte
Doppelbrechung von durchsichtigen Flüssigkeiten untersucht und unter Anwendung der klassischen
Orientierungstheorie von M. Born (1932) erklärt werden.
Als Beispiel einer modernen optischen Messmethode wird der de Sénarmont-Kompensator angewandt.
Voraussetzung dafür sind eingehende Kenntnisse über Polarisation und Doppelbrechung von Licht und deren
Darstellung durch Jones-Vektoren und Jones-Matrizen.
- Polarisation
Polarisationsformen von Licht, Erzeugung von polarisiertem Licht,
Polarisatoren, Doppelbrechung, optische Aktivität, optisch
einachsige Kristalle,
-Plättchen, Beschreibung durch Jones-Vektoren und Jones-Matrizen
- Magnetooptische Effekte
MAXWELL`sche Gleichungen, Diamagnetismus, Paramagnetismus,Polarisierung und Magnetisierung,
FARADAY-Effekt, COTTON-MOUTON-Effekt
- CME
Hertzscher Dipol, Orientierungstheorie nach BORN
(1932) zur Erklärung des CME, Polarisierbarkeits- und Suszeptibilitätstensor
(bzw. -ellipsoid) besonders bei symmetrischen Molekülen, phänomenologische
und molare CM -Konstante
- Messtechnik
Aufbau und Funktionsweise des de Sénarmont-Kompensators, Prinzip
der Lockin-Verstärkung, Photodiode, Auflösung
der Apparatur.
- Was ist die Definition der CM-Konstante, der molaren CM-Konstante
?
- Stellen Sie die Transfergleichung der Apparatur mit Hilfe der Jones-Matrizen dar.
- Bestimmen Sie
mit der Magnetfeldsonde.
- Bestimmen Sie die modifizierte VERDET - Konstante
des Farady-Kompensators in Einheiten von
an.
- Bestimmen die Auflösungsrenze der Apparatur für
.
- Messen Sie den CM-Effekt von Benzol, Mesithylen (1.3.5-Trimethylbenzol)
und Schwefelkohlenstoff (
). Ihr berechnetes Felstärkeprofil
gilt für die maximal hochgefahrene Stromstärke des Magnetspulenstroms.
Machen Sie je Probe ca. 5 Messungen in einer und ebensoviele
in genau entgegengesetzter Feldrichtung (warum ?). Achten Sie
auf die Temperatur. Geben Sie die ermittelten Phasendifferenzen
in Vielfachen von
an. Berechnen Sie außerdem zur Veranschaulichung
auch die entsprechenden Gangunterschiede als Vielfache des Bohrschen
Radius.
- Berechnen Sie die phänomenologischen CM - Konstanten C (Angabe
in
). Begründen Sie vorher die Vorzeichen von C unter
Berücksichtigung des von Ihnen verwendeten originalen Versuchsaufbaus
im Zusammenhang mit Ihren Meßergebnissen. Dafür brauchen
Sie eine Materialkonstante, die Sie vom Betreuer erfragen müssen.
- Berechnen Sie die molaren CM-Konstanten
(Angabe in
).
Die Vakuumwellenlänge des He-Ne-Lasers beträgt 632.8 nm.
Die
und
lassen sich z. B. aus Landolt/Börnstein
entnehmen.
- Berechnen Sie die molaren Suszeptibilitätsanisotropien
(Angabe in
). Entnehmen Sie die der Arbeit von Bogaard,
Buckingham et al. (1978).
Für Mesithylen gilt:
(Dissertation
S. Pferrer, Uni Ulm 1982).
- M. Born
- Optik, Springer, 1972
- O. Marti
- Kapitel über Jones-Vektoren und -Matrizen
aus dem Vorlesungsskript zu Grundlagen IIIa.
- E. Hecht
- Optik 2001, p 475 ff (Achtung, die Jones-Matrizen sind teilweise falsch angegeben)
- O.V. Yaroshchuk, A.D. Kiselev, Yu. Zakrevskyy,
- T. Bidna, J. Kelly, L.-C. Chien, and J. Lindau Photoinduced 3D orientational order in side chain liquid
crystalline azopolymers. In diesem
Paper
wird der De
Sénarmont-Kompensator beschrieben.
- Othmar Marti
- Maple-Worksheet
mit den Definitionen der
Jones-Vektoren und -Matrizen
- Bergmann, Schäfer
- Lehrbuch der Experimentalphysik Bd III
- Bergmann, Schäfer
- Lehrbuch der Experimentalphysik Bd II
- W. Schütz
- Magnetooptik (ohne Zeeman-Effekt) in: Wien/Harms,
Handbuch der Experimentellen Physik, Bd. 16/1, Akad.
Verlagsgesellschaft
- G.R. Fowles
- Introduction to Modern Optics, Chap. 1,2 and 6, Holt,
Rinehart and Winston (1975)
- F.Gabler, P. Sokop
- Der Sénarmontsche Kompensator, Zeitschrift
für Instrumentenkunde 58, 301, 1938
- R.A. Carmon
- Zahlen und Einheiten der Physik, de Gruyter, 1972
- Berkeley
- Physik Kurs 2, Elektrizität und Magnetismus, Kap 9
und 10, Vieweg, 1979
- Berkeley
- Physik Kurs 3, Schwingungen und Wellen, Kap. 8, Vieweg,
1974
- M.P. Bogaard,A.D. Buckingham
- J. Chem. Soc. Farad. I, 74, 3008, 1978
- D'Ans-Lax
- Taschenbuch für Chemiker und Physiker
- Landolt, Börnstein
- Zahlenwerte und Funktionen, 6. Auflage Band
I/3, II/1 und II/8
- Symbole, Einheiten und Momenklatur in der Physik
- Physik Verlag ,1980
- Kneubühl
- Repetitorium der Physik, Teubner (Umrechnungsfaktoren)
- J.P. Mathieu
- Optics, Parts 1 and 2, Pergamon Press
- Landau, Lifschitz
- Lehrbuch der Theoretischen Physik, Vol VIII
(Elektrodynamik der Kontinua), Akademie Verlag
- Geiger, Scheel
- Handbuch der Physik, Band XXI (Licht und Materie),
Kap. B und C, Springer
Für besonders Interessierte:
- M. Born
- Ann. Phys., Leipzig, 55, 177, 1918 (Vorläufer der Theorie
von 1932)
- A.D. Buchingham,J. A. Pople
- Proc. Phys. Soc. B, 69/2, 1133, 1956
(eine unabhängig von M. Born entstandene Theorie).
Hohe Magnetfelder können die Genauigkeit von mechanischen Armbanduhren beeinflussen sowie Kreditkarten löschen.
Vor der Versuchsdurchführung informieren Sie sich bitte über die Sicherheitsbestimmungen beim Umgang mit
Laserlicht und machen Sie sich mit den bereitliegenden Schutzbrillen vertraut.
Schalten Sie gleich zu Anfang unter Anleitung des Betreuers die
einzelnen Apparate des Versuchsaufbaus ein, vergessen Sie insbesondere
nicht das Kühlwasser des Magneten und des Stromversorgungsgeräts
einzuschalten.
- zu 1)
- Beachten Sie, dass in manchen älteren Lehrbüchern die
Einheiten G und Oe auch als abgeleitete SI-Einheiten aufgefasst
werden. Dies bewirkt, dass B und H in diesen Einheiten in beiden
Systemen dieselbe Masszahl haben (

= 1). Dadurch
erspart man sich zunächst die Umrechnung. Da aber G und Oe
in beiden Systemen verschiedene Bedeutung haben (welche?), muss
dann eine Umrechnung innerhalb des SI-Systems vorgenommen werden.
- zu 3)
- Der Kompensatorstrom darf 300 mA nicht übersteigen. Machen
Sie sich Gedanken zur Anordnung der optischen Bauteile.
- zu 4)
- Erneuter Phasenabgleich (warum?) Intensitätsveränderungen
durch Veränderung des Azimuts des
- Plättchens vornehmen.
Bei Einlegen der Probe die Fenster nicht berühren. Vorher Reinigung
der Fenster mit Aceton. Jede Probe muss ca. 30 min im Magneten
liegen, bis sie sich im thermischen Gleichgewicht befindet. Jetzt
noch auftretende Spannungsdoppelbrechung muss noch ausgeglichen
werden; welchen Möglichkeiten stehen Ihnen zur Wahl?
Achtung: Magnetfeldrichtung nur im stromlosen
Zustand umschalten.
|
Ablesung der Skala am Analysator
|
Führen Sie die wesentliche Gedankengänge und Formeln an, die für
das Verständnis wichtig sind. Gestalten Sie die Auswertung klar
und über sichtlich. Geben Sie bei allen Werten die Fehler an, und
zwar in Klammern in Einheiten der letzten Ziffer.
Schätzen Sie den Einfluss jeder Komponente der Apparatur auf die Fehler ab.
Bitte geben Sie an jeder Stelle der Auswertung das Literaturzitat
an, auf das Sie Bezug nehmen.
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Othmar Marti
Experimentelle Physik
Universität Ulm