Bei Spannungsmessungen treten insbesondere die folgenden Fehlerquellen auf
- Anschlüsse mit hohen Impedanzen
- Leck- Streuströme verfälschen eine
Spannungsmessung. Wenn gilt, dass
ist, so muss bei der Spannungsmessung besonders vorsichtig
vorgegangen werden. Dabei ist
die geforderte Spannungsempfindlichkeit,
1
A der Strom, der durch den
Innenwiderstand des Voltmeters fliesst. Wenn die geforderte
Empfindlichkeit 1 mV ist, dann hat müssen Quellen mit
mit
besonderen Vorsichtsmassnahmen gemessen werden.
- Isolationswiderstand
- Durch schlechte Isolationsmaterialien werden
Spannungsmessungen verfälscht. Die Wahl des Isolationsmaterials entscheidet
über die Qualität von Spannungsmessungen. Im Abschnitt I.1
ist eine Tabelle von Isoltionsmaterialien angegeben.
- Eingangswiderstand
- Jedes reale Voltmeter kann als ein ideales Voltmeter
mit dem Eingangswiderstand
des realen Voltmeters in parallel ersetzt werden.
Die gemessene Spannung ist
- Offsetspannung
- Jede Spannung in Serie mit der zu messenden Spannung und
der Spannung am Voltmeter verfälscht die Ablesung. Zu den Offsetspannungen
gehören die Thermospannungen und die durch wechselnde Magnetfelder
induzierten Spannungen.
- Offsetstrom
- Der Offsetstrom bei einem idealen Voltmeter und einer
Spannungsquelle mit dem Innenwiderstand
verfälscht die Quellenspannung
zu
. Offsetströme entstehen durch die Eingangstransistoren
der Messgeräte. Jeder bipolare Transistor benötigt
einen minimalen Eingangsstrom um
zu funktionieren. Bei digitalen Voltmetern und bei Nanovoltmetern
beträgt der Offsetstrom etwa
bis
. Der Offsetstrom von Elektrometerverstärkern
kann von
bis hinunter zu 
betragen.
- Belastungswiderstand
- Widerstände parallel zum Voltmeter verfälschen die Messung. So wird
bei einem Quellwiderstand
und bei einem Querwiderstand
die gemessene Spannung
. Vielfach ist der Isolationswiderstand des Kabels
der unerwünschte Querwiderstand. Der Einfluss des Kabelisolationswiderstandes kann durch Guard-Techniken
vermindert werden. Wenn die Verstärkung des Guard-Verstärkers
ist, dann ist die gemessene
Spannung
- Kapazität zur Schirmleitung
- Die Kapazität zur Abschirmung des Messkabels
bewirkt zusammen
mit dem Ausgangswiderstand
eine Zeitkonstante
. Damit ist der Zeitverlauf der Messspannung
.
Dabei wird die Ladung
auf die Kabelkapazität
übertragen. Wenn die Abschirmung
mit einem Verstärker (Verstärkung
auf dem Potential der Eingangsspannung gehalten wird,
ist die Zeitkonstante
. Die auf der Kabelkapazität gespeicherte
Ladung ist dann
.
- Thermospannungen
- Thermospannungen werden zur zu messenden Spannung hinzu- oder abgezählt. Die Grösse
der Thermospannungen hängt von der Materialkombination und von den Temperaturen entlang des
Messkreises ab. Tabelle I.2 gibt die wichtigsten thermoelektrischen Koeffizienten
an.
- Thermospannungen in Steckern
- Die Thermospannungen in Steckern werden meistens vergessen. Anders
als im Rest des Messkreises sind die Materialien und die Temperaturen sehr viel schlechter kontrollierbar.
Durch Übergangswiderstände zwischen Stecker und Kupplung kann sich die Kontaktstelle unbemerkt und
unkontrolliert erwärmen. Zu den Steckern gehören auch geräteinterne Stecker. Bei externen Verbindungen kann
der Einfluss der Thermospannungen untersucht werden, indem man die Steckerverbindungen (sofern möglich!) umkehrt.
- Gleichtaktstrom und daraus resultierende Fehler
- Gleichtaktströme können insbesondere Messungen von sehr kleinen
Spannungen beeinflussen. Zu den Gleichtaktstromquellen gehört unter anderem die Ströme die zwischen der Netzerde
und dem Erd-Eingangspol (Buchse "0") des Messgerätes fliesst. Vielfach rührt dieser Strom von der kapazitiven Kopplung zwischen der
Primär- und Sekundärspule des Netztransformators her[37]. Noch schlimmer sind die Fehler,
wenn die Buchse "0" mit dem empfindlichen Teil des Messobjektes verbunden ist. Dies ist unter allen Umständen
zu vermeiden.
- Magnetfelder
- Magnetfelder induzieren Spannungen in alle von den Messleitungen eingeschlossenen Flächen.
Die Maxwell'schen Gleichungen ergeben, dass die induzierte Spannung
.
Verdrillte Kabel und eine gut überlegte Führung der Kabel minimieren die induzierten Spannungen von
variierenden Magnetfeldern. Bewegte Kabel (zum Beispiel zu einer beweglichen Messstelle) können auch bei
statischen Magnetfeldern induzierte Spannungen bewirken.
- Erdschleifen
- Einer der häufigsten Fehler sind Erdschleifen. Sie rühren daher, dass netzbetriebene
Messgeräte einerseits über ihre ''0''-Buchsen und andererseits über den Schutzleiter verbunden sind. Dieser
fehler kann vermindert werden, indem differentielle Eingänge verwendet werden. Bei Oszilloskopen
müssen gesonderte Differenzverstärker vorgeschaltet werden. Bei Datenerfassungskarten für Computer
sollte immer der Variante mit differentiellen Eingängen der Vorzug vor der Variante mit den einfachen Eingängen
gegeben werden.
- Abschirmung
- Wenn man bei einem Elektrometerverstärker an den empfindlichen Eingang 2 cm Draht anschliesst,
den 2V-Bereich einstellt, ein Stück Kunststoff an Wolle reibt und dieses Stück etwa einen Meter vom Eingang
entfernt hin und her bewegt, dann schlägt das Elektrometer merklich aus. Ähnliche Experimente kann man auch mit
Wechselfeldern durchführen. In beiden Fällen hilft nur eine Abschirmung. Diese Abschirmung sollte
- die zu testende Schaltung, das Elektrometer und die die Messung durchführende Person einschliessen, oder
- die zu testende Schaltung und das Elektrometer, oder
- nur die zu messende Schaltung sowie abgeschirmte Kabel
umfassen. Es ist vorteilhaft für solche Messungen triaxiale Kabel zu verwenden, wobei die innere
Schirmung mit einer Guardschaltung auf dem Messpotential gehalten werden sollte.
Copyright by Othmar Marti and Alfred Plettl,
2007-08-14