Was ist Wetter? Was ist Klima?

Karl Schedler

Die erste Frage ist eigentlich überflüssig; denn jeder Mensch weiß, was Wetter ist. Es beeinflusst unser Leben und begleitet uns täglich rund um die Uhr. Wir freuen uns über "schönes" Wetter und ärgern uns, wenn der regnerisches Wetter die Wochenendpläne

durchkreuzt. Viele Menschen leiden Bei Föhn. Man schimpft über Sauwetter und wenn Dinge schief laufen, ist man geneigt, selbst ein "Donnerwetter" - im übertragenen Sinne - zu inszenieren. Ob ein Wetter gut oder schlecht ist, hängt eben stark von der Interessenlage des Betrachters - gelegentlich auch von der Zweckmäßigkeit seiner Kleidung - ab.

 

Wetter spielt sich in der Atmosphäre ab. Weder im Weltall noch im Wasser unserer Meere gibt es Wetter. Auch unter der Erde gibt es kein Wetter, obwohl man im Bergbau von "Schlagenden Wettern" spricht, aber damit die Ansammlung explosionsfähiger Gase meint. Das Spektrum des Begriffes Wetter ist breit. Es umfasst die Stille einer sternklaren Nacht ebenso wie die zerstörende Gewalt eines Orkans.

 

Der Brockhaus definiert Wetter als "Zustand und Änderung der unteren Atmosphäre (Troposphäre) an einem Ort". Wetter ist immer nur eine "Momentaufnahme" des Gesche-hens in der unteren Schicht unserer Atmosphäre, also bis ca. 10 km Höhe. Es ist ein Sammelbegriff, der das Zusammenspiel der Elemente Wind, Temperatur, Feuchtigkeit, Luftdruck, Strahlung und - davon abgeleitet - Wolken, Niederschläge und Sicht ein-schließt. Wie alle Vorgänge in der Natur unterliegt auch das Wetter strengen Naturgesetzen.

 

Es lässt sich aber nicht in einfache Normen pressen, sondern sorgt immer wieder für Überraschungen. Das beweisen unerwartete

Stürme, sintflutartigen Regenfälle und Dürrekatastrophen. Die Meteorologie ist ständig bemüht, mit Geduld und großem Forschungsaufwand dem faszinierenden aber äußerst komplizierten Phänomen Wetter "auf die Spur zu kommen".

 

 

 

Quelle:Wetter24

Antrieb und Energiespender für unser Wetter ist die Sonne. Ihre Strahlenintensität ist am Äquator größer als an den Polen. Das führt zu unterschiedlicher Erwärmung der Luftmassen und dadurch bedingt zu Luftströmungen und Transport von Feuchtigkeit. Da außerdem die Erdachse um 23,5 Grad gegenüber der Umlaufbahn um die Sonne geneigt ist, schwankt die Strahlungsintensität für jeden Punkt der Erdoberfläche im Jahresverlauf. Wir sprechen deshalb von Jahreszeiten mit jeweils typischen Wetterlagen. Die Auswirkung der Mondphasen auf das Wettergeschehen der Erde dürfte sich dagegen in engen Grenzen halten. Der von einigen Leuten propagierte Einfluss der Planeten auf unser Wetter ist wohl mehr dem Bereich der spekulativen Astrologie zuzuordnen.

Wetter kann örtlich sehr verschieden sein. Hagelschauer verwüsten oft nur einen Landstreifen von 300 m Breite. Fährt man auf der Autobahn durch ein Wärmegewitter, so kann es sein, dass auf einer Strecke von fünf Kilometern Platzregen und Sonnenschein einander ablösen. Gebirgszüge oder Flussniederungen können als Wetterscheide wirken oder auf geographisch engem Raum sehr unterschiedliche Wetterlagen bewirken. Es ist deshalb nützlich, wenn man die Besonderheiten des Wetters seiner näheren Heimat kennt. Der Wetterbericht im Fernsehen ist zu pauschal, denn er gilt für das ganze Sendegebiet.

Die Zusammenfassung des Wetters für eine bestimmte Region bezeichnet man als Wetterlage. Dieser Begriff schließt gewöhnlich Entstehung, Ablauf und Abklingen bestimm-ter Phänomene in den Luftschichten ein. Ist das betrachtete Gebiet sehr groß - z.B. die Größe Europas - so spricht man von einer "Großwetterlage". Gilt die Betrachtung zeitlich - z.B. für einige Tage – so redet man von Witterung. Nicht zu verwechseln mit der "Witterung" des Jägerlateins, wenn ein Jagdhund den Hasen riecht.

Wichtig ist auch die Abgrenzung von Wetter zum Oberbegriff "Klima". Mit Klima ist der durchschnittliche Ablauf des Wettergeschehens über einen längeren Zeitraum – etwa von Jahrzehnten – gemeint. Man versucht aus langjährigen Beobachtungen des Wetters mit Hilfe statistischer Verfahren Kenngrößen über die, für eine bestimmte Region charakteristischen, Atmosphärenzustände zu finden. Bezieht sich die Betrachtung auf einen begrenzten Raum, so hat man das Klima eines Ortes. Betrachtet man die ganze Erde, so kann man, über viele Jahre gesehen, globale Klimaveränderungen feststellen. Es ist aber verkehrt, wegen eines verregneten Sommers in Deutschland gleich eine Klimaverschlechterung der ganzen Erde zu prognostizieren. Das kühle und feuchte Wetter bei uns kann nämlich durch außergewöhnliche Hitze in anderen Erdteilen völlig kompensiert werden.

Egal, ob man Wettergeschehen in engem zeitlichen und räumlichen Rahmen betrachtet oder global und langfristig sieht , es bleibt faszinierend , gewaltig und schön. Von Satelliten betrachtet erscheint unsere Erde als blauer Ball, der durch weiße Wolken und Tiefdruckwirbel verziert ist. Beim Blick aus einem Flugzeug in 9 km Höhe wird aus Wolkentürmen oft eine fantastische Märchenwelt. Die unglaublich große Energie eines Wirbelstromes verbreitet Angst und Schrecken und hinterlässt eine Schneise der Verwüstung. Der Sonnenuntergang mit seinem bunten Farbenspiel am abendlichen Horizont versetzt uns ins Träumen. Es ist zweifellos richtig: Wetter ist das faszinierendste Phänomen unserer Erde und es ist spannend, sich damit zu beschäftigen.

KarlSchedler@ulm-direkt.net

Zuletzt geändert: 29.10.2001 09:01:48 +0100